Morgens dreht sich nur noch der Anlasser müde, dann klickt es – die Batterie ist leer. In dieser Lage ist Starthilfe die schnellste Lösung, und sie gelingt mit etwas Sorgfalt in rund zehn Minuten. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie Starthilfe geben, in welcher Reihenfolge die Kabel angeschlossen werden und welche Fehler teuer werden können.

Was Sie vor dem Start prüfen sollten
Bevor Sie Kabel anfassen, lohnt ein kurzer Check. Beide Fahrzeuge sollten dieselbe Bordspannung haben, bei Pkw sind das fast immer 12 Volt. Die Batterie des liegengebliebenen Autos darf äußerlich nicht beschädigt sein: Risse im Gehäuse, ausgetretene Flüssigkeit oder eine aufgeblähte Form sind Warnzeichen. In diesem Fall verzichten Sie auf Starthilfe und rufen Pannenhilfe. Das gilt auch bei einer eingefrorenen Batterie, denn hier besteht Explosionsgefahr.
Stellen Sie die Fahrzeuge so nebeneinander, dass die Kabel bequem reichen, ohne dass sich die Autos berühren. Schalten Sie in beiden Fahrzeugen Zündung, Licht, Radio und Gebläse aus, ziehen Sie die Handbremse an und legen Sie bei Schaltwagen den Leerlauf ein, bei Automatik die Stellung P. Funken sind in der Nähe der Batterie ein Risiko, weil dort Gase entstehen können. Rauchen und offenes Feuer sind deshalb tabu.
Welche Überbrückungskabel taugen etwas?
Gute Kabel haben für Pkw einen Querschnitt von mindestens 16 mm², bei größeren Motoren und Dieseln besser 25 mm². Dünne Billigkabel erwärmen sich und übertragen zu wenig Strom, sodass die Starthilfe scheitert. Achten Sie auf stabile, isolierte Zangen, eine Länge von etwa drei bis fünf Metern und eine Kennzeichnung nach Norm. Die Kabel gehören in jeden Kofferraum – sie kosten je nach Qualität grob 15 bis 40 Euro. Moderne Starthilfegeräte mit Lithium-Akku sind eine Alternative, sie liegen meist zwischen 60 und 150 Euro und brauchen kein zweites Auto.
Starthilfe geben: die richtige Reihenfolge
Die Reihenfolge ist wichtig, damit keine Funken an der Batterie entstehen. Bewährt hat sich dieser Ablauf:
- Rotes Kabel an den Pluspol der leeren Batterie klemmen.
- Das andere Ende des roten Kabels an den Pluspol der Spenderbatterie klemmen.
- Schwarzes Kabel an den Minuspol der Spenderbatterie klemmen.
- Das andere Ende des schwarzen Kabels nicht an den Minuspol der leeren Batterie, sondern an einen blanken Metallpunkt am Motorblock oder an eine Massestelle klemmen.
Nun starten Sie das Spenderfahrzeug und lassen es etwa zwei bis fünf Minuten mit leicht erhöhter Drehzahl laufen. Danach starten Sie das liegengebliebene Auto. Der Startvorgang sollte nicht länger als etwa zehn Sekunden dauern, sonst belasten Sie Anlasser und Spenderbatterie unnötig. Springt der Motor nicht an, warten Sie einige Minuten und versuchen es noch einmal. Klappt es auch dann nicht, liegt der Fehler vermutlich nicht allein an der Batterie.
Kabel richtig abklemmen
Laufen beide Motoren, entfernen Sie die Kabel in umgekehrter Reihenfolge: zuerst Schwarz von der Masse des Starthilfeempfängers, dann Schwarz von der Spenderbatterie, danach Rot von der Spenderbatterie und zuletzt Rot von der zuvor leeren Batterie. Achten Sie darauf, dass sich die Zangen nie berühren, solange ein Ende noch angeschlossen ist. Schalten Sie bei laufendem Motor nicht sofort alle Verbraucher ein, damit die Lichtmaschine zunächst die Batterie laden kann.
Was passiert nach der Starthilfe?
Lassen Sie den Motor nicht sofort ausgehen. Eine Fahrt von etwa 30 Minuten, möglichst außerorts und ohne ständiges Anhalten, lädt die Batterie ein Stück weit nach. Kurze Stadtfahrten reichen oft nicht, weil Licht, Heizung und Sitzheizung viel Strom ziehen. Ist die Batterie älter als vier bis fünf Jahre, sollten Sie sie in einer Werkstatt prüfen lassen. Das kostet meist wenig und zeigt, ob ein Austausch fällig ist. Wie hoch die Kosten dafür liegen, lesen Sie im Ratgeber zum Wechsel der Autobatterie. Wenn die Batterie sich immer wieder entleert, hilft ein Blick auf die Ursachen von ständig leerer Batterie.
Starthilfe bei Hybrid und Elektroauto
Bei Hybrid- und Elektroautos gilt: Die große Antriebsbatterie hat mit dem Thema nichts zu tun, relevant ist die 12-Volt-Batterie. Viele Hersteller erlauben eine Fremdstarthilfe an einem vorgesehenen Anschlusspunkt im Motorraum oder unter einer Abdeckung. Andere schließen sie aus oder schreiben besondere Vorgehensweisen vor. Ein Elektroauto sollte außerdem nicht als Spender für ein anderes Fahrzeug dienen, solange das Handbuch es nicht ausdrücklich erlaubt. Schauen Sie im Zweifel in die Betriebsanleitung, bevor Sie Kabel anlegen.
Häufige Fehler bei der Starthilfe
Der häufigste Fehler ist das Vertauschen von Plus und Minus. Das kann Steuergeräte, Sicherungen und die Bordelektronik beschädigen und teuer werden. Ebenso riskant ist es, das schwarze Kabel an den Minuspol der leeren Batterie zu klemmen: Dort können sich Gase sammeln, ein Funke kann sie entzünden. Weitere Stolperfallen sind zu dünne Kabel, lose Zangen, Kontakt mit beweglichen Teilen im Motorraum und ein zu langes Orgeln des Anlassers. Fotografieren Sie notfalls die Kabelverbindung vor dem Start, damit Sie nach dem Abklemmen nichts verwechseln.
Wann Sie besser den Pannendienst rufen
Sind Sie unsicher, ist die Batterie beschädigt oder zeigt das Auto weitere Fehler, ist professionelle Hilfe die bessere Wahl. Das gilt ebenso, wenn die Starthilfe wiederholt nötig ist. Dann steckt oft ein Defekt dahinter, etwa an Lichtmaschine oder Ruhestromverbrauchern. Mitglieder von Automobilclubs und viele Schutzbriefe sparen sich hier die Kosten, ohne Mitgliedschaft liegt ein Einsatz je nach Anbieter oft im Bereich von 70 bis 150 Euro.
Häufige Fragen
Wie lange muss das Spenderauto laufen?
Etwa zwei bis fünf Minuten vor dem Startversuch genügen meist. Bei sehr tiefer Entladung darf es auch etwas länger sein.
Kann ich Starthilfe auch mit einem Diesel geben?
Ja, die Fahrzeugart spielt keine Rolle, solange beide Bordnetze 12 Volt haben. Dieselmotoren brauchen dafür oft Kabel mit größerem Querschnitt.
Schadet Starthilfe dem Spenderauto?
Bei korrektem Vorgehen nicht. Die Belastung ist gering, wenn Sie den Motor laufen lassen und nur wenige Verbraucher aktiv sind.
Wer die Reihenfolge einhält, gute Kabel nutzt und nach dem Start eine längere Fahrt einplant, kommt in der Regel schnell und sicher wieder in Gang. Und wer die Batterie regelmäßig prüfen lässt, braucht Starthilfe künftig deutlich seltener.