Eine gelbe Leuchte mit Reifensymbol und Ausrufezeichen, und plötzlich fragt man sich, ob man anhalten muss. Die Reifendruckkontrolle (RDKS, englisch TPMS) warnt vor zu wenig Luft in den Reifen und gehört bei neu typgenehmigten Pkw in der EU seit 2014 zur Pflichtausstattung. Gerade bei den ersten kalten Tagen im Herbst springt sie auffallend oft an. Hier erfahren Sie, was die Leuchte bedeutet, wie Sie richtig reagieren und welche Kosten möglich sind.
Direkte und indirekte Reifendruckkontrolle
Es gibt zwei Bauarten. Beim direkten System sitzt in jedem Rad ein Sensor mit eigener Batterie, der den Druck (und oft die Temperatur) per Funk meldet. Beim indirekten System nutzt das Auto die ABS-Sensoren: Ein Reifen mit weniger Luft hat einen kleineren Abrollumfang und dreht sich schneller. Das System rechnet daraus einen Druckverlust, misst ihn aber nicht in bar. Welche Variante Ihr Fahrzeug hat, steht im Handbuch.
Leuchtet, blinkt oder zeigt Fehlermeldung: Die Unterschiede
- Dauerhaft gelb: Mindestens ein Reifen hat deutlich zu wenig Druck. Bei den meisten Herstellern gilt ein Verlust von etwa 20 bis 25 Prozent als Auslöser.
- Blinkt rund eine Minute, dann dauerhaft: Meist ein Systemfehler, etwa ein defekter Sensor, eine leere Sensorbatterie oder ein fehlendes Signal.
- Textmeldung „Reifendruck prüfen“ oder Anzeige pro Rad: Das direkte System zeigt Ihnen, welches Rad betroffen ist.
- Leuchte geht nach dem Start aus: Oft Temperatureffekt. Prüfen Sie trotzdem den Druck.
Warum gerade bei Kälte?
Als Faustregel sinkt der Reifendruck pro 10 Grad Temperaturabfall um etwa 0,1 bar. Wer im Sommer auf Sollwert gefüllt hat, liegt im November schnell knapp darunter. Wurde der Reifen kalt gefüllt und wird dann in einer warmen Garage geparkt, kann die Warnung beim Rausfahren ebenfalls kommen. Die richtigen Sollwerte finden Sie auf dem Aufkleber in der Tür- oder Tankklappe, ergänzend hilft unsere Reifendruck-Tabelle.

Schritt für Schritt: Das tun Sie jetzt
- Sicher anhalten. Bei plötzlichem, starkem Druckverlust oder Lenkunruhe sofort an einem sicheren Ort stoppen. Mehr dazu im Ratgeber Reifen platt: Was tun?
- Reifen sichtprüfen. Achten Sie auf Nägel, Schrauben, Beulen oder Risse in der Flanke.
- Druck an allen Reifen messen, möglichst kalt, mit einem eigenen Messgerät oder an der Tankstelle. Auch den Reservereifen nicht vergessen, falls vorhanden.
- Auf Sollwert auffüllen, bei Beladung den dafür angegebenen höheren Wert nutzen.
- System zurücksetzen. Beim indirekten System meist über das Bordmenü („Reifendruck speichern“) oder eine Taste im Handschuhfach. Beim direkten System erkennt das Auto die neuen Werte oft nach wenigen Minuten Fahrt von selbst.
Geht die Leuchte danach nicht aus, kann ein schleichender Druckverlust oder ein Sensorproblem vorliegen. Dann lohnt der Weg in die Werkstatt oder zum Reifenhändler.
Häufige Ursachen bei dauerhaft leuchtender Warnung
- schleichender Verlust durch undichtes Ventil oder poröse Ventilkappe
- Fremdkörper im Reifen oder beschädigte Felge, siehe auch Reifenpanne: Was tun
- Sensorbatterie leer, bei Sensoren nach fünf bis zehn Jahren nicht ungewöhnlich
- nach Reifenwechsel nicht angelernte oder falsch zugeordnete Sensoren
- Räder ohne Sensoren, etwa bei einem zweiten Radsatz oder Winterrädern
- bei indirekten Systemen: nach Druckänderung nicht zurückgesetzt
Kosten: Was Sie einplanen sollten
Luft prüfen und auffüllen kostet an vielen Tankstellen wenig oder nichts, an manchen Stationen bis etwa einen Euro. Muss ein Sensor ersetzt werden, liegen die Teile je nach Fahrzeug und Hersteller grob bei 40 bis 120 Euro pro Rad. Das Anlernen am Fahrzeug berechnen Werkstätten häufig mit 10 bis 30 Euro, manchmal ist es im Reifenwechsel enthalten. Ein neuer Ventil-Dichtsatz kostet etwa 5 bis 15 Euro, eine Diagnose beim Fachbetrieb rund 30 bis 80 Euro. Das sind Richtwerte, die tatsächlichen Preise unterscheiden sich je nach Modell und Betrieb.
Tipp: Lassen Sie beim saisonalen Radwechsel die Sensoren gleich prüfen. Wer im Frühjahr und Herbst ohnehin zum Reifenwechsel fährt, kann defekte Batterien rechtzeitig erkennen, ohne dass die Leuchte unterwegs aufgeht.
Darf man mit leuchtender Reifendruckkontrolle fahren?
Bei einer Warnung wegen Druckverlust sollten Sie nicht einfach weiterfahren, denn zu wenig Luft erhöht Bremsweg, Verbrauch und das Risiko eines Reifenschadens. Liegt dagegen nur ein Systemfehler vor und der Reifendruck stimmt, ist die Fahrt meist unkritisch, die Funktion sollte aber bald repariert werden. Bei der Hauptuntersuchung kann eine dauerhaft leuchtende Kontrollleuchte als Mangel eingetragen werden. Eine Übersicht zur Vorbereitung finden Sie in der TÜV-Checkliste.
Häufige Fragen
Kann ich die Reifendruckkontrolle selbst nachrüsten? Ja, es gibt Nachrüstsätze mit Ventilsensoren. Wichtig ist ein Produkt mit passender Zulassung. Ob es in Ihrem Fall sinnvoll ist, klärt eine Fachwerkstatt.
Warum zeigt das System nach dem Reifenwechsel Fehler? Häufig sind die Sensoren den Radpositionen nicht richtig zugeordnet. Ein erneutes Anlernen löst das Problem meist.
Wie oft sollte ich den Druck trotzdem selbst prüfen? Etwa einmal im Monat und vor langen Fahrten. Die elektronische Kontrolle ersetzt die Kontrolle mit dem Manometer nicht, sie warnt erst bei deutlichem Verlust.
Hilft Stickstoff statt Luft? Er verliert langsamer Druck, ist für den Alltag aber kein Muss. Wichtiger ist die regelmäßige Kontrolle.
Reifendruck im Alltag: Kleine Gewohnheiten, große Wirkung
Ein Reifen verliert auch ohne Defekt über Wochen ein wenig Luft, das ist normal. Prüfen Sie den Druck am besten morgens, bevor Sie losfahren, denn gefahrene Kilometer erwärmen die Luft und verfälschen die Messung nach oben. Nutzen Sie ein eigenes Manometer, das Sie im Auto lassen können. Die Anzeigen an Tankstellen weichen teilweise ab. Schrauben Sie nach dem Befüllen die Ventilkappen wieder fest auf, sie schützen das Ventil vor Schmutz und Feuchtigkeit. Fahren Sie regelmäßig mit voller Beladung, etwa im Urlaub, erhöhen Sie den Druck laut Tabelle und setzen danach das System zurück. So vermeiden Sie Fehlalarme und sparen nebenbei Sprit, denn zu weiche Reifen erhöhen den Rollwiderstand spürbar.
Fazit
Leuchtet die Reifendruckkontrolle, prüfen Sie zuerst den Luftdruck, dann das System. Meist reicht ein Auffüllen und Zurücksetzen. Bleibt die Warnung, sind Ventil, Sensor oder ein Reifenschaden die nächsten Verdächtigen. Mit kalten Temperaturen im Herbst und Winter lohnt sich der monatliche Blick aufs Manometer doppelt.