Ein platter Reifen am Straßenrand ist ärgerlich, aber kein Drama: Wer das Rad selbst wechseln kann, spart sich Wartezeit und Pannendienst. Der Radwechsel dauert mit etwas Übung 15 bis 30 Minuten. Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie das Rad wechseln, worauf Sie bei Wagenheber und Radschrauben achten müssen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Das richtige Werkzeug
Im Bordwerkzeug der meisten Fahrzeuge finden sich Wagenheber, Radschlüssel und Abschleppöse. Viele Hersteller liefern statt eines vollwertigen Ersatzrads nur ein Notrad oder ein Reifenreparaturset. Hilfreich sind außerdem Arbeitshandschuhe, eine Warnweste, ein Warndreieck und ein Stück Brett als Unterlage für den Wagenheber auf weichem Boden. Ein Kreuzschlüssel erleichtert das Lösen der Schrauben deutlich. Wer mehr dazu wissen will, findet im Ratgeber zur Reifenpanne weitere Hinweise zum richtigen Verhalten.
Sicher stehen: Das gehört zur Vorbereitung
Suchen Sie einen ebenen, festen Untergrund und möglichst eine sichere Stelle abseits des Verkehrs. Schalten Sie die Warnblinkanlage ein, ziehen Sie die Warnweste an und stellen Sie das Warndreieck auf. Die Handbremse wird angezogen, bei Schaltwagen legen Sie einen Gang ein, bei Automatik die Stellung P. Bei Bedarf sichern Sie das Fahrzeug zusätzlich mit einem Unterlegkeil. Auf der Autobahn oder in unübersichtlichen Kurven sollten Sie keinen Radwechsel versuchen, sondern Pannenhilfe rufen und sich hinter der Leitplanke in Sicherheit bringen.
Rad wechseln: Schritt für Schritt
- Radschrauben lösen: Lösen Sie die Schrauben um etwa eine halbe Umdrehung, solange das Auto noch auf dem Boden steht. Erst dann gibt der Reifen genug Widerstand.
- Wagenheber ansetzen: Nutzen Sie nur die vom Hersteller vorgesehene Aufnahme, meist am Schweller. Prüfen Sie die Position in der Betriebsanleitung.
- Fahrzeug anheben: Heben Sie den Wagen an, bis das Rad frei in der Luft hängt. Begeben Sie sich nie mit Körperteilen unter ein Fahrzeug, das nur auf dem Wagenheber steht.
- Rad abnehmen: Schrauben ganz entfernen und das Rad abziehen. Legen Sie die Schrauben so ab, dass sie nicht wegrollen.
- Ersatzrad montieren: Rad aufsetzen, die Bohrungen ausrichten und die Schrauben mit der Hand eindrehen.
- Absenken und festziehen: Fahrzeug ablassen, bis der Reifen Bodenkontakt hat, dann die Schrauben über Kreuz festziehen.
Das richtige Anzugsmoment
Das Festziehen über Kreuz verteilt den Druck gleichmäßig und verhindert, dass sich die Felge verzieht. Das vorgeschriebene Drehmoment finden Sie in der Betriebsanleitung. Für viele Pkw liegt es grob bei 110 bis 120 Newtonmeter, bei manchen Modellen jedoch höher oder niedriger. Mit dem Radschlüssel aus dem Bordwerkzeug erreichen Sie das nur ungefähr. Lassen Sie die Schrauben deshalb möglichst bald in einer Werkstatt mit einem Drehmomentschlüssel prüfen. Die genauen Werte finden Sie auch im Beitrag Radschrauben Anzugsmoment.
Nach dem Radwechsel
Ziehen Sie die Radschrauben nach 50 bis 100 gefahrenen Kilometern noch einmal nach. Kontrollieren Sie außerdem den Luftdruck des neuen Rads, denn ein Reserverad verliert über die Jahre Luft. Die passende Tabelle finden Sie im Ratgeber Reifendruck. Das defekte Rad wird in der Regel im Kofferraum verstaut und möglichst schnell repariert oder ersetzt. Was das kostet, lesen Sie unter Reifen reparieren: Kosten.
Besonderheiten beim Notrad
Ein Notrad ist nur für kurze Strecken gedacht. Meist darf damit nicht schneller als 80 km/h gefahren werden, was auf dem Rad oder in der Anleitung vermerkt ist. Fahren Sie vorsichtig, bremsen Sie sanft und meiden Sie starke Lenkbewegungen. Das Fahrverhalten ändert sich spürbar, und bei Fahrzeugen mit Allradantrieb sind besondere Hinweise des Herstellers zu beachten. Tauschen Sie das Notrad so schnell wie möglich gegen ein reguläres Rad aus.
Typische Fehler vermeiden
Häufig werden die Schrauben erst gelöst, wenn das Rad schon in der Luft hängt – dann dreht sich das Rad mit. Ebenso riskant ist ein Wagenheber an der falschen Stelle, denn er kann den Schweller verbiegen oder abrutschen. Auch ein weicher Untergrund wie Sand oder Rasen ist ein Problem, weil der Heber einsinken kann. Und nicht zuletzt gilt: Ölige oder verrostete Schrauben gehören gereinigt oder ersetzt, nicht einfach wieder eingedreht.
Wann sich der Gang zur Werkstatt lohnt
Nicht jede Situation eignet sich für den Radwechsel in Eigenregie. Bei Dunkelheit, starkem Verkehr, abschüssigem Gelände oder fehlendem Werkzeug ist Pannenhilfe die sicherere Wahl. Auch Fahrzeuge mit Wegfahrsperren für Radschrauben benötigen den passenden Adapter, der bei manchen Autos in einem Fach im Kofferraum liegt. Fehlt er, kommen Sie ohne Werkstatt oder Pannendienst nicht weiter. Rechnen Sie bei einem Radwechsel in der Werkstatt mit etwa 20 bis 60 Euro für vier Räder, je nach Region und Anbieter, wie der Beitrag zu den Kosten für den Radwechsel zeigt. Wer zweimal im Jahr zwischen Sommer- und Winterreifen wechselt, kann mit eigener Routine dagegen etwas sparen – sofern Drehmomentschlüssel und ein stabiler Rangierwagenheber vorhanden sind.
Beim saisonalen Wechsel sollten Sie zusätzlich die Laufrichtung der Reifen beachten, die auf der Flanke mit einem Pfeil markiert ist, sowie die Position der Räder, falls sie bereits einer festen Achse zugeordnet wurden. Prüfen Sie außerdem das Reifenprofil und das Alter anhand der DOT-Nummer, denn ältere Reifen verlieren an Haftung, auch wenn das Profil noch ausreicht.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Radwechsel selbst?
Mit Übung etwa 15 bis 30 Minuten. Beim ersten Mal sollten Sie etwas mehr einplanen.
Muss ich Radschrauben fetten?
In der Regel nein. Schmiermittel verändert das Anzugsmoment und kann zu überzogenen Schrauben führen. Folgen Sie der Herstellerempfehlung.
Darf ich das Rad auch bei Regen wechseln?
Ja, wenn der Untergrund fest ist. Achten Sie auf Rutschgefahr und tragen Sie Handschuhe.
Wer das Prozedere einmal zu Hause geübt hat, ist im Ernstfall deutlich entspannter. Prüfen Sie am besten schon jetzt, ob Wagenheber, Radschlüssel und Reserverad vollständig und einsatzbereit sind.