Radschrauben Anzugsmoment: Welcher Wert stimmt und wie Sie richtig anziehen

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Beim Radwechsel entscheidet ein einziger Wert über die Sicherheit: das Anzugsmoment der Radschrauben. Sitzen sie zu locker, kann sich ein Rad lösen, sitzen sie zu fest, drohen Schäden an Gewinde und Felge. Dieser Ratgeber erklärt, welche Nm-Werte bei Pkw üblich sind, wo Sie den richtigen Wert für Ihr Auto finden und wie Sie die Schrauben Schritt für Schritt korrekt anziehen.

Faktenkarte Radschrauben Anzugsmoment

Welches Anzugsmoment gilt für Radschrauben?

Das Drehmoment wird in Newtonmeter (Nm) angegeben und ist vom Hersteller für jedes Modell festgelegt. Bei vielen Pkw liegt es zwischen 110 und 120 Nm bei Schrauben mit Gewinde M12 x 1,5. Fahrzeuge mit dem Gewinde M14 x 1,5, häufig bei größeren Autos, SUV und Transportern, verlangen oft 120 bis 160 Nm. Diese Werte sind nur Richtwerte. Maßgeblich ist immer die Angabe Ihres Herstellers.

Wo finden Sie den richtigen Wert?

Die verbindliche Zahl steht in der Betriebsanleitung, meist im Kapitel zu Rad- und Reifenwechsel oder im technischen Datenteil. Manche Fahrzeuge tragen die Angabe zusätzlich auf einem Aufkleber, etwa an der Tankklappe oder im Türrahmen. Auch Reifenfachbetriebe und Vertragswerkstätten kennen den Wert. Fragen Sie im Zweifel dort nach, statt zu raten. Wer neue Felgen montiert, sollte außerdem prüfen, ob für diese Felgen Besonderheiten gelten, etwa spezielle Bundformen oder Zentrierringe laut Gutachten.

Das brauchen Sie für den Radwechsel

  • Drehmomentschlüssel: Das wichtigste Werkzeug. Gute Modelle für den Bereich bis etwa 200 Nm gibt es ab 20 bis 60 Euro.
  • Passenden Steckschlüssel: Die Nuss muss exakt auf den Schraubenkopf passen, üblich sind 17, 19 oder 21 Millimeter.
  • Wagenheber und Unterstellböcke: Der Wagenheber allein ist keine Sicherung. Hinweise zur Auswahl gibt unser Wagenheber-Test.
  • Drahtbürste: Zum Säubern der Auflagefläche an der Nabe.

Radschrauben richtig anziehen: Schritt für Schritt

  1. Lösen Sie die Schrauben noch am Boden um eine halbe Umdrehung, solange das Rad belastet ist.
  2. Heben Sie das Fahrzeug an der vorgesehenen Aufnahme an und sichern Sie es.
  3. Entfernen Sie Schrauben und Rad, reinigen Sie die Anlagefläche an der Nabe und prüfen Sie das Gewinde auf Schäden.
  4. Setzen Sie das Rad auf und drehen Sie alle Schrauben von Hand bis zum Anschlag ein.
  5. Ziehen Sie die Schrauben über Kreuz leicht vor, damit das Rad gleichmäßig anliegt.
  6. Lassen Sie das Auto ab und ziehen Sie die Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel über Kreuz auf den vorgeschriebenen Wert an.
  7. Kontrollieren Sie jede Schraube am Ende noch einmal mit dem Schlüssel.

Wichtig: Das Drehmoment gilt für saubere, trockene Gewinde. Ölen oder fetten Sie Radschrauben nicht, sofern der Hersteller es nicht ausdrücklich vorsieht, denn geschmierte Gewinde führen bei gleichem Drehmoment zu einer höheren Vorspannkraft und können überdehnt werden.

Warum nach 50 bis 100 Kilometern nachziehen?

Nach dem Radwechsel setzen sich Felge, Schraubensitz und Lack minimal. Dadurch kann die Vorspannung etwas nachlassen. Deshalb empfehlen viele Hersteller und Reifenhändler, die Schrauben nach etwa 50 bis 100 Kilometern mit dem Drehmomentschlüssel zu kontrollieren. Das gilt besonders bei Alufelgen und nach dem ersten Wechsel auf neue Räder. Der Aufwand beträgt nur wenige Minuten, ist aber eine gute Versicherung. Wer den Wechsel in der Werkstatt machen lässt, sollte nach dem Nachziehen fragen. Die Kosten dafür sind im Beitrag Radwechsel Kosten und Reifenwechsel Kosten erklärt.

Was passiert bei falschem Anzugsmoment?

Zu lockere Schrauben können sich beim Fahren lösen. Warnzeichen sind Vibrationen im Lenkrad, Klopfgeräusche oder ein schlagendes Rad, im schlimmsten Fall verliert das Auto ein Rad. Zu fest angezogene Schrauben dehnen sich, das Gewinde kann ausleiern oder abreißen, und Felgen sowie Bremsscheiben können sich verziehen. Mit einem Schlagschrauber ohne Drehmomentbegrenzung passiert das schnell. Ein häufiges Zeichen für verzogene Scheiben sind Vibrationen beim Bremsen, mehr dazu lesen Sie im Beitrag Bremsscheiben wechseln Kosten.

Häufige Fehler vermeiden

  • Schlagschrauber als Endwerkzeug: Er eignet sich zum Lösen und Vordrehen, das letzte Anziehen gehört dem Drehmomentschlüssel.
  • Falsche Schraubenart: Kegel-, Kugel- und Flachbund sind nicht austauschbar, sie müssen zur Felge passen.
  • Drehmomentschlüssel falsch gelagert: Nach Gebrauch auf die niedrigste Einstellung zurückdrehen, sonst verliert die Feder an Genauigkeit.
  • Nach dem Wechsel nicht kontrolliert: Das Nachziehen nach 50 bis 100 Kilometern wird oft vergessen.
  • Beschädigte Gewinde ignoriert: Rostige oder verformte Schrauben und Bolzen gehören ausgetauscht.

Sonderfall: Neue Felgen, Reserverad und Elektroauto

Bei neuen oder gebrauchten Alufelgen sollten Sie vor der Montage prüfen, ob Schraubenform und Länge zur Felge passen. Falsche Schrauben liegen nur teilweise auf und können sich trotz korrektem Drehmoment lösen. Beim Notrad oder Reserverad gelten häufig abweichende Hinweise zu Tempo und Reifendruck, das Anzugsmoment bleibt aber in der Regel gleich. Schwere Elektroautos und SUV verlangen oft höhere Werte, weil Gewicht und Drehmoment größer sind. Lesen Sie deshalb auch hier die Herstelleranleitung und verlassen Sie sich nicht auf Erfahrungswerte von einem anderen Modell.

Häufige Fragen

Wie viel Nm haben Radschrauben beim Pkw?

Typisch sind 110 bis 120 Nm bei M12 x 1,5 und 120 bis 160 Nm bei M14 x 1,5. Der genaue Wert steht in Ihrer Betriebsanleitung.

Reicht ein Radkreuz ohne Drehmomentschlüssel?

Als Notlösung unterwegs ja, danach sollte die Montage aber mit dem Drehmomentschlüssel geprüft werden. Nach Gefühl lässt sich das Moment kaum treffen.

Muss man Radschrauben nach dem Reifenwechsel nachziehen?

Empfohlen wird eine Kontrolle nach etwa 50 bis 100 Kilometern. Das gilt vor allem bei Alufelgen und nach dem ersten Wechsel.

Wie oft sollte man das Anzugsmoment kontrollieren?

Beim saisonalen Wechsel im Frühjahr und Herbst, und zusätzlich nach Reifenpannen oder Radwechseln unterwegs. Auch wer Räder einlagert, sollte beim Aufziehen prüfen, siehe Reifen einlagern Kosten.

Fazit

Das Radschrauben Anzugsmoment liegt bei vielen Pkw zwischen 110 und 160 Nm, der verbindliche Wert steht aber im Handbuch Ihres Fahrzeugs. Mit sauberen Gewinden, Anziehen über Kreuz, einem Drehmomentschlüssel und einer Kontrolle nach 50 bis 100 Kilometern sind Sie auf der sicheren Seite. Wer das Rad nicht selbst wechseln möchte, lässt es in der Fachwerkstatt erledigen und fragt nach dem Nachziehen. Alle genannten Werte sind Richtwerte und ersetzen nicht die Angaben des Herstellers.